Usability im Alltag

Welcher Knopf holt den Fahrstuhl?

Bahnhofsgebäude in der Bundeshauptstadt Bern. Treppen von Picknickessern besetzt. Rolltreppen übervoll, eine im Stillstand. Also Lift!

Schnell geschaut, dort links – zwei gläserne Lifte warten darauf beschäftigt zu werden. Die Tafel mit den Knöpfen gescannt, ich will nach oben. Da ist der Pfeil, der nach oben zeigt, diese Taste drücken. Warten. Nichts passiert.

Noch mal genauer schauen. Ein Knopf ist mit einer roten Beleuchtung versehen. Bei näherer Betrachtung erkenne ich, dass dieser mit: «Ausser Betrieb» beschriftet ist.

Na klar, ein Lift, der ausser Betrieb ist, der reagiert auch nicht!

Also den anderen Knopf mit dem Pfeil nach oben drücken. Das Drücken erfolgt nun schon etwas bewusster, weil ich mich länger mit dem Holen des Liftes beschäftigt habe als mir lieb ist.

Noch mal Drücken. Es geschieht nichts. Und dabei fällt mir auf, dass man eigentlich auch keinen Widerstand beim Drücken gespürt hat, keine mechanische Bewegung, kein sensorisches Feedback. Es sieht allerdings aus wie ein Knopf und ist nur ein Sensor?

Nun noch mal leicht vorgebeugt, betrachte ich die Tafel genauer: Das ist kein Knopf, der Knopf zum Holen des Fahrstuhles ist ganz unten in Rollstuhl-Höhe, was auch für diese Zielgruppe Sinn macht. Und wenn man diesen drückt, dann verspürt man auch ein nennenswertes sensorisches Drück-Feedback . Ausserdem scheint sich durch die Glastür betrachtet, der Lift endlich in Bewegung zu setzen und meine Anforderung zu verstehen!

Fazit der Geschichte:

Mit Laufen wäre ich schneller gewesen!

Eine eindeutige Bedienoberfläche hätte die Handhabung erleichtert. Das was ausschaut wie ein zu drückender Knopf, das sollte auch einer sein! Somit kann eine pure Anzeige nicht verwechselt werden mit einem Bedienelement.

Nicht nur Programme am Computer oder Tools auf dem Smartphone sollten benutzerfreundlich entwickelt werden. Auch Dinge des Alltages oder öffentlichen Lebens würden einem so manchen Frust ersparen, wenn sie frühzeitig mit verschiedenen Benutzern getestet werden würden.

Alexandra Stein

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